Hohen Besuch im Landgestüt Moritzburg gab es an diesem Montag: Eine hochkarätige sechsköpfige Delegation des Household Cavalry Mounted Regiment (HCMR) unter der Leitung von Commanding Officer Benjamin McNeil war eigens aus London angereist, um Pferde aus dem sächsisch-thüringischen Zuchtgebiet zu sichten und zu kaufen. Im Mittelpunkt des Interesses standen dabei Remonten der Rasse Sächsisch-Thüringisches Schweres Warmblut aus den regionalen Züchterhäusern.
Bereits zu DDR-Zeiten, im Jahr 1988, hatte die damalige britische Königin 14 Schwere Warmblut-Rappwallache des Hengstdepots Moritzburg für die hauseigene Kavallerie erworben. Und auch zu diesem erneuten Besuch, fast vier Jahrzehnte später, nahm die Heereskommission insgesamt 20 verkäufliche Schwere Warmblüter aus dem Zuchtgebiet Sachsen-Thüringen in Augenschein. Eine besondere Ehre für die Züchterschaft, den Zuchtverband und die Sächsische Gestütsverwaltung.
„Die erfolgreiche Wiederaufnahme unserer Kooperation mit dieser traditionsreichen und gesellschaftlich bedeutsamen Institution ermöglicht es, das Schwere Warmblut als zuverlässigen Partner und lebendiges Kulturgut unserer Region bis über Europas Grenzen hinaus bekannter zu machen. Dadurch bieten sich neue Perspektiven und Chancen für unsere Züchter und für die Pferdewirtschaft in Sachsen.“, so Dr. Kati Schöpke, Landstallmeisterin im Landgestüt Moritzburg.
Die Sächsische Gestütsverwaltung (SGV) und der Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e.V. (PZVST) gestalteten diesen besonderen Tag gemeinsam. Dr. Kati Schöpke und Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch begrüßten die Delegation, begleitet vom Fanfarenzug des Landgestüts, im historischen Innenhof. Einer Vorstellung ausgewählter Rassevertreter an der Hand folgte die Präsentation von Schweren Warmbluthengsten verschiedener Typvarianten, darunter der Doppel-Bundeschampion LANCELO und der Vizeweltmeister VALENTINO. Nach einem Rundgang durch die historischen Gestütsanlagen ging es für die Gäste mit den „Moritzburgern“ in zwei passend zusammengestellten Viererzügen auf eine Fahrt durch die herbstliche Kulturlandschaft. So konnte sich die Delegation selbst ein Bild von den guten Fahreigenschaften und der Leistungsbereitschaft dieser Rasse machen.
Ein Quartett dressurveranlagter Landbeschäler eröffnete das nachmittägliche Programm in der Veranstaltungsreithalle am Neuen Gestüt. Ihm folgte eine Präsentation junger Schwerer Warmbluthengste, die gerade ihre 50-tägige Hengstleistungsprüfung im Landgestüt Moritzburg absolvieren, unter dem Sattel. Anschließend stellten sich die verkäuflichen Schweren Warmblüter vor der britischen Heereskommission zunächst an der Hand vor. Nach dieser ersten Sichtung stiegen die eigens zum Probereiten angereisten zwei Bereiter selbst in den Sattel und zeigten sich überaus angetan von der Qualität der ausgewählten jungen Pferde.
Nach umfangreicher Inspektion durch Schmied und Tierarzt fiel die Entscheidung über den Kauf von acht Schweren Warmblutpferden aus Sachsen und Thüringen. Geplant ist, dass sie schon bald ihren neuen Stall in London beziehen und dann in den Dienst des Household Cavalry Mounted Regiment eintreten werden.
Für die Züchter in Sachsen und Thüringen ein großer Erfolg und eine Anerkennung für ihre Leistungen, so der Geschäftsführer des Sächsisch-Thüringischen Pferdezuchtverbandes und Zuchtleiter Sachsen, Christian Kubitz: „Der Kauf von acht Sächsisch-Thüringischen Schweren Warmblütern durch die Household Cavalry ist eine herausragende Würdigung der züchterischen Arbeit und des Engagements unserer Mitglieder. Erfolge wie dieser werden durch das vertrauensvolle Zusammenwirken unserer Züchter, der Sächsischen Gestütsverwaltung und des Pferdezuchtverbandes Sachsen-Thüringen e. V. möglich. Die besonderen Stärken unserer traditionsreichen Rasse – Leistungsbereitschaft, Nervenstärke und ein ausgeglichener Charakter sowie ihr eindrucksvolles Erscheinungsbild hinterließen bei der englischen Delegation einen nachhaltigen Eindruck. Dass damit eine 1988 begründete Verbindung zum englischen Königshaus wieder auflebt, ist ein besonderer Erfolg für unsere Züchter und ein starkes Zeichen für die internationale Wertschätzung unserer Rasse.“